Zur Entstehung des Namens "Fränkische Schweiz"-
erster „Reiseführer“ kam vor 200 Jahren auf dem Markt
Der Name Fränkische Schweiz ist ein Kunstwort, eine
Regionsbezeichnung, die durch den Tourismus entstanden ist. Der Begriff hat sich
seit der Mitte des 19. Jahrhunderts (analog zur sächsischen Schweiz
beispielweise) verselbständigt und kann daher nicht mehr als „fränkische“
Schweiz (im ursprünglichen Sinn) verstanden werden – auch wenn die „Wurzeln“ aus
der Schweiz zu stammen scheinen.
Unter dem Begriff „Fränkische Schweiz“ versteht man heute
das Gebiet zwischen Bamberg, Bayreuth und Erlangen. Für Heimatkundler, wie zum
Beispiel August Sieghardt, war die Fränkische Schweiz, noch in den 50-er Jahren
des letzten Jahrhunderts nur das „Tal der Wiesent mit einmündenden Nebentälern“.
Die Grenzen des „Naturparks Fränkische Schweiz“ sind schon weiter gesteckt: Sie
reichen von Lichtenfels im Norden bis nach Auerbach im Osten und Lauf/Pegnitz im
Süden. Und für Geologen ist die Region Teil der Fränkischen Alb, die ja
bekanntermaßen bis ins Nördlinger Rieß reicht. Unterschiedliche, „unsichtbare“
Grenzen also, die den jeweiligen (politischen) Interessen angepasst sind. Eine
genaue Abgrenzung gibt es also nicht, aber wie entstand der Name Fränkische
Schweiz eigentlich?
Der Tourismus in der Fränkischen Schweiz begann offiziell
1793 mit der literarischen "Pfingstreise" der beiden Erlanger Studenten Heinrich
Wackenroder und Ludwig Tieck; ein Ereignis, das 200 Jahre später mit dem
„Romantikerjahr“ gebührend gefeiert wurde. Sie beschrieben in Briefen an ihre
Eltern die Eindrücke und Erlebnisse unterwegs. Damals hieß die Gegend noch "Muggendorfer
Gebürg", ein Begriff unter Höhlenkundlern seit 1774. In jenem Jahr
veröffentlichte der Uttenreuther Pfarrer Friedrich Esper erstmals ein in mehrere
Sprachen übersetztes „Höhlenbuch“ über seine Entdeckungen „merkwürdiger Thiere“
in der Zoolithenhöhle. Damit begannen die naturwissenschaftlichen Forschungen
und der „Höhlentourismus“. Die bizarre Unterwelt lockte in Folge zahlreiche
Literaten und Professoren mit ihren Studenten hierher.
In zunehmendem Maße benötigten diese "Reisenden"
Informationen über das "neue" Reisegebiet. 1804 kam aus diesem Grund der erste
"Reiseführer" für die Region auf den Markt, der, neben der damals bekannten
Höhlenlandschaft, auch die landschaftliche Schönheit darüber pries. Johann
Christian Rosenmüller, „Doctor der Philosophie, Medizin und Chirurgie“ beschrieb
in seinem Werk „Die Merkwürdigkeiten der Gegend um Muggendorf“ zahlreiche damals
bekannte Höhlen und unternahm erste „Spaziergänge um Muggendorf“, zum Beispiel
zu den Burgen Rabeneck und Rabenstein. Er lieferte in seiner „Vorrede“ auch
gleich den Grund für die Buchveröffentlichung mit: „So viel und so oft man auch
von der Muggendorfer Gegend schon gesprochen und geschrieben hat; so besitzt
doch das Publikum keine vollständige Beschreibung derselben“.
Dem Erlanger Zoologieprofessor Georg August Goldfuß fielen
1810 in seinem Reiseführer (Die Umgebungen von Muggendorf) als erster
„Ähnlichkeiten“ mit der Schweiz auf. „Freylich darfst du den Maßstab nicht aus
Helvetien holen, wenn ich dir mächtige Felsmassen und hohe Berggipfel
beschreibe. In jenem großen Style hat die Natur hier nicht gebauet und unsere
Berge sind nur unmündige Kinder gegen jene wolkentragende Alpen“, schrieb er im
Vorwort. Die Vergleiche mit der Schweiz häuften sich in der Reiseliteratur und
eine „Marktlücke“ für die einheimische Tourismusindustrie tat sich plötzlich
auf. Schließlich konnte (schon damals) nicht jeder potentielle Gast einen Urlaub
in der Schweiz verbringen, für die „Fränkische“ reichte das Geld schon eher. Es
entstanden „Schweizer Häuser“ und eine Molkekuranstalt nach Schweizer Vorbild in
der Region, womit man dem „Trend“ zu folgen suchte. 1812 tauchte der Begriff
"Fränkische Schweiz" dann erstmals in einem Reiseführer auf. Johann Christian
Fick ist dieser Schritt zu verdanken, er verwendete ihn in seinem Buch
"Historisch-topographisch-statistische Beschreibung von Erlangen und dessen
Gegend". Seite 109 steht: Auf einer kurzen Ferienreise (...) verfolgt man dieses
Wiesenthal hinauf seinen Weg nach der ‚Fränkischen Schweiz’, um da die
wildschöne Natur (...) zu beschauen“. Vermutlich war er vorher (wie Goldfuß) in
der Schweiz gewesen, die seinerzeit als erstes europäisches Urlaubsland
(Wintersport) sehr populär war, oder aber er hat den Begriff irgendwo
„aufgeschnappt“ und weiter verwendet. 1820 nannte ein Lokalpoet, Rentamtaktuar
Jacob Reiselsberger aus Waischenfeld, seinen gereimten Wanderführer sogar stolz
"Die Kleine Schweiz" und rief dem Leser zu: „Verlasst die Stadt, besucht die
Flur, kommt in die kleine Schweiz“. Und Joseph Hellers berühmter Reiseführer von
1829 hieß dann entsprechend: "Muggendorf und seine Umgebung, oder die Fränkische
Schweiz". 1837 veröffentlichten die beiden evangelischen Pfarrer Lorenz Kraußold
und Georg Brock einen Reiseführer mit dem umgekehrten Titel: „Geschichte der
Fränkischen Schweiz oder Muggendorfs und seiner Umgebung. Man war sich also zu
jener Zeit noch nicht einig, welche Bezeichnung sich durchzusetzen scheint. Erst
ab 1856 als Adalbert Küttlinger sein Werk „Die Fränkische Schweiz und die
Molkekuranstalt zu Streitberg“ nannte, bürgerte sich der Name "Fränkische
Schweiz" endgültig ein, als „touristisches Kunstwort“ für die Region; alle
„Reiseführer“ danach, sprachen nur noch von der „Fränkischen Schweiz“.
Apropos Schweiz: im Frühjahr 1992 flatterte dem damaligen
Forchheimer Landrat Otto Ammon als Chef des Gebietsausschusses Fränkische
Schweiz ein Bittschreiben des Schweizer Verkehrsbüros aus München auf den Tisch,
in dem die Erstellung einer Steinskulptur vor dem Berner Bundeshaus mit 44
Steinen aus allen fünf Kontinenten angekündigt wurde; ein Stein aus der
„Fränkischen“ (und einer aus der sächsischen) Schweiz sollten dazu gehören.
Gesagt, getan: Am 10. August 1992 fand die feierliche Übergabe des Steines in
Ebermannstadt an den Schweizer Botschafter statt. Als Erinnerung daran steht
noch heute vor dem Landratsamtsgebäude in Ebermannstadt ein Wegweiser in die
Schweiz (419 Kilometer) und ein Dolomitstein aus dem „von Pölnischen Forst“,
einträchtig neben einem Monolithen aus der sächsischen Schweiz. Am 22. September
1992 weihten die Schweizer ihre „Steinskultpur“ vor dem Berner Bundeshaus ein
(Altlandrat Ammon war dabei); quasi als „touristischer Mittelpunkt“ aller
Schweizen weltweit. Hintergrund dieser Aktion war eine Marketing-Studie, in der
festgestellt wurde, dass es weltweit 192 Mal den Regionszusatz „Schweiz“ im
Namen gibt, darunter allein 67 Mal in Deutschland. Schon damals entstand die
Idee, einen „Fernwanderweg“ von hier in die Schweiz anzulegen. Daraus wurde
leider nichts, weil die Gebiete ohne die „Schweiz“ im Namen kein Interesse
hatten. Doch jetzt gibt es ja den „Frankenweg, vom rennsteig zur Schwäbischen
Alb“ und der ist sogar 527 Kilometer lang. Er beginnt in Untereichenstein im
Frankenwald und führt bis nach Harburg an der Wörnitz im Nördlinger Rieß, womit
wir wieder bei den Regionsgrenzen sind.
Reinhard Löwisch