| |

Der Fremdenverkehr in der Fränkischen Schweiz
im Jahre 1929.
Die Fränkische Schweiz ist heute innerhalb der Bundesrepublik zu einem
Fremdenverkehrsgebiet erster Ordnung geworden. Es dürfte von Interesse sein,
was Direktor v. Heiligbrunner vom Verkehrsverband Nordbayern im Jahre 1929 über
die Entwicklung des Fremdenverkehrs in diesem Raum (in den er auch Hollfeld und
Sanspareil, sowie im Osten Creußen einschließe) zu berichten weiß. Wir
entnehmen in Auszügen seinen Ausführungen:
Im Sommer 1926 wurden 69 636 Fremde mit 118 752 Übernachtungen gezählt, im
Sommer 1927 waren es 89 773 Fremde mit 165 922 Übernachtungen . . . "Die
Zahlen der Fremden im Winter verhalten sich zu denen im Sommer in den Jahren
1926 wie 12: 70, 1927 wie 15: 90, 1928 wie 16: 113, woraus hervorgeht, dass der
Berufsverkehr gegenüber dem Erholungsverkehr eine sehr untergeordnete Rolle
spielt" . . . "Die Gesamtbevölkerung hat sich auf die Unterbringung
der Fremden gut eingerichtet und 1926 rund 3400, 1927 rund 3900 und 1928 rund
4120 Betten dafür bereitgestellt«. . . "Die Belegung ist im Durchschnitt
während des Sommers in den drei Jahren eine 25malige, bzw. 29- und 30malige
gewesen« .
"Nach der Zahl der Übernachtungen (jeweils in den drei Jahren) gliedern
sich die Hauptorte der Fränk. Schweiz wie folgt: Gößweinstein mit 73 416,
Behringersmühle mit 32 120, Muggendorf mit 26 600, Pottenstein mit 25 984,
Streitberg mit. 20 271" . . ."Gößweinstein steht unumstritten an der
Spitze. Der Sommer- Erholungsverkehr ist so bedeutend, dass es mit seinen 57 461
fremden Besuchern in ganz Bayern nur von München, Nürnberg, Altötting,
Lindau, Würzburg und Regensburg übertroffen wird« . . . "Auch seine Übernachtungen
sichern ihm einen ehrenvollen Platz innerhalb Bayerns, denn es übertrifft damit
Rothenburg, Oberammergau, Bad Aibling, Bad Brückenau usw. sehr erheblich« . .
. Die hohe Bettenzahl zeige sich relativ in der Weise, "dass auf 100
Einwohner in Gößweinstein 198 Fremdenbetten treffen, womit Gößweinstein an
zweiter Stelle in ganz Bayern steht". . . "Die Aufenthaltsdauer beträgt
im Durchschnitt bei jedem Fremden 1,3 Tage, was wenig ist" . . . "
Behringersmühle dagegen bringt es in den letzten Jahren auf zweitägigen
Aufenthalt. Die Bettenzahl des kleinen Ortes ist von 159 auf 173 und schließlich
auf 209 gewachsen. Die Betten waren während des Sommers 154 mal belegt, eine
Zahl, die nur von Eisenstein mit 160 noch übertroffen wird" . . .
"Pottenstein hat einen höchst überraschenden Aufschwung genommen und
steht mit seiner Steigerung sowohl in der Zahl der Fremden wie der Übernachtungen
in Bayern einzig da: Sommer 1926: 3762 Fremde mit 7631 Übernachtungen; 1927:
1792 Fremde mit 4753 Übernachtungen; 1928: 7890 Fremde mit 25 984 Übernachtungen
. . . Die Bettenzahl ist erstaunlich gestiegen von 160 auf 406« . . . "Muggendorf
hat 1928 zum ersten Mal eine Statistik . . ., sie hat mit 3150 Sommergästen und
26 600 Übernachtungen sehr gute Erfolge aufzuweisen, ganz besonders
hinsichtlich der Aufenthaltsdauer, die über acht Tage beträgt. Die Bettenzahl
beträgt 308 und weist 86malige Belegung im Sommer auf«. . . "Streitberg
ist von 1935 Sommergästen mit 11 097 Übernachtungen und schließlich auf 5273
Gäste mit 20 271 Übernachtungen gekommen, hat also fast 25% an Übernachtungen
in den drei Jahren gewonnen und fast 50% an Fremden. Die Aufenthaltsdauer beträgt
nicht ganz sieben Tage. Die Bettenzahlen sind von 215 auf 295 gestiegen«. . . Für
Pegnitz stieg der Fremdenverkehr von 1927 auf 1928 von 2303 Fremden mit 3106 Übernachtungen
auf 3473 Gäste mit 4490 Übernachtungen, was eine Zunahme der Fremden um 35%
und der Übernachtungen um 45% entspricht« . . .
Forchheim ist etwas zurückgegangen, nachdem es im Jahre 1927 einen
Aufschwung genommen hatte" . . . "Ebermannstadt und Heiligenstadt
haben sich innerhalb der letzten drei Jahre gut entwickelt, wenn auch
Ebermannstadt 1928 einen kleinen Rückschlag erlitt. Heiligenstadt ist aber sehr
voraus hinsichtlich der Übernachtungsdauer, die nicht weniger als neun Tage
beträgt, während es Ebermannstadt nur auf drei Tage bringt. Heiligenstadt hat
bei 85 Betten 49mal belegt, Ebermannstadt bei 250 täglich 14mal" . .
." Interessant ist gerade bei der Fränkischen Schweiz die Zusammensetzung
der Fremden: Insbesondere ist es Nürnberg, das beim Besuch der Fränk. Schweiz
eine besondere Rolle spielt. Von den 73 000 Übernachtungen in Gößweinstein
treffen z. B. auf Nürnberger allein 18 000, auf Oberfranken dagegen höchstens
rund 4500, von den Streitberger 20 271 Übernachtungen treffen 9000 auf Nürnberger,
auf Oberfranken höchstens 3500. Rechnen wir noch die Besucher aus Fürth und
Erlangen dazu, so ergibt sich für die Besucher aus Mittelfranken noch eine
wesentlich größere Verschiebung zuungunsten der oberfränkischen Besucher.
Daraus geht hervor, dass die Fremdenverkehrsinteressen der Fränk. Schweiz
absolut nach Mittelfranken d. h. nach Nürnberg gravieren und nicht nach
Oberfranken". Die Zahlen, die Direktor v. Heilingbrunner in seinem Bericht
nennt, könnten, verglichen mit den Zahlen des Jahres 1978, ein aufschlußreiches
Bild geben von der Entwicklung des Fremdenverkehrs in der Fränkischen Schweiz
in den letzten 50 Jahren.
Kaspar Kellermann, Aus: Fränkische Schweiz - Verein, Heft Nr. 1, 1980
| |
|