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Tourismus, ein festes Standbein
von Christl Thömmes (Gründungs- Leiterin der
Tourismuszentrale)
Die Geschichte und Bedeutung des Fremdenverkehrs im Landkreis Forchheim
ist auf das engste verbunden mit der Entwicklung des Tourismus in der Fränkischen
Schweiz. Diese kann sich als eine der ältesten deutschen
Fremdenverkehrslandschaften auszeichnen. "Die deutscheste aller
Landschaften" hat sie Ludwig Tieck genannt; und Hans Max von Aufseß,
dessen Familie hier seit dem 11. Jahrhundert ihren Sitz hat sieht sie so:
"Schaurige Felsenschroffen stehen unmittelbar neben der Intimität
malerischer Winkel - und Ödhänge mit Wachholderbüschen bestanden neben der
Geborgenheit herrlicher Tannen- und Buchenhochwälder. Ragende Burgen und Ruinen
auf kühnen Felsauftürmungen und dunkle Höhlen in verborgenen Nischen spenden
zu aller Bizarrerie noch eine Note des Romantischen hinzu.
Keine andere Landschaft ist wie die Fränkische Schweiz so voller Poesie und
Beklemmung, ein wenig engräumig, gewunden, schroff und wieder innig, mystisch,
unterirdisch und voller wissenschaftlichem Höhlenforschergeist. So wurde die Fränkische
Schweiz zum "Herzland der deutschen Romantik". Im vollen Gefühlsüberschwang
der Epoche der Romantik wurde dann auch der Name "Fränkische Schweiz"
geprägt. Dichter und Maler stellten diese Landschaft in Wort und Bild dar.
1829 erschien zum ersten Mal auf dem Titelblatt einer Beschreibung von
Muggendorf und seiner Umgebung offiziell der Name "Fränkische
Schweiz", geschrieben von dem Bamberger Privatgelehrten Joseph Heller Auch
heute noch ist die Fränkische Schweiz ein Reiseland für Individualisten, das
sich Jahr für Jahr einem Kreis von Liebhabern neu erschließt.
Begonnen aber hatte das alles, als man im 18. Jahrhundert das "Alte Gebürg"
durchforschte und in dem mehr als 175.
Millionen Jahre alten Juragebirge die Höhlen entdeckte. Im Jahr 1774 veröffentlichte
der Uttenreuther Pfarrer Johann Friedrich Esper sein Buch über die
geheimnisvolle Welt der unterirdischen Labyrinthe um Muggendorf und legte damit
den Grundstein für eine Reiselust, die die Deutschen seit dieser Zeit immer
wieder in die Fränkische Schweiz führt.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die touristische Aufgabe für die Fränkische
Schweiz - die Erschließung der Landschaft - vom Fränkischen Schweiz Verein
wahrgenommen. Der Verein wurde 1901 in der Schüttersmühle gegründet. Bis zum
ersten Weltkrieg beherrschte die Wandervogelidee neben den Forderungen zur
Verbesserung der Verkehrswege das Vereinsleben. Naturschützerische Aspekte und
Brauchtumspflege erweiterten bald den Aufgabenbereich.
In den 20er Jahren erfuhr die Darstellung der Fränkischen Schweiz über
Landschaft und Mensch unter dem damaligen Vorsitzenden des Vereins Hans Hertlein
aus Streitberg und der Nürnberger Idealistengruppe um August Sieghardt
besonderen Aufschwung. Nach dem zweiten Weltkrieg erfolgte die Neugründung des
Fränkischen Schweiz Vereins auf Initiative des damaligen Landrates von
Ebermannstadt Rudolf Eberhard 1947 in Muggendorf.
Dieser konnte als späterer bayerischer Finanzminister und vor allem als
"Abgeordneter der Fränkischen Schweiz" (von 1950-1972) über viele
Jahre hinweg die Geschicke in der Fränkischen Schweiz entscheidend und positiv
mitbestimmen. An seiner Seite standen in den Jahren der Aufrüstung Männer wie
der damalige Pulvermüller Johann Bezold aus Waischenfeld, Rechtsrat a. D.
Heinrich Uhl aus Muggendorf und Landrat Franz Josef Kaiser aus Ebermannstadt. Daß
Fremdenverkehr aber nicht nur aus ehrenamtlicher Heimatpflege besteht, sondern
professionell und marktgerecht betrieben werden muss, hatte der
Fremdenverkehrsverband Franken schon früh erkannt und entsprechend die Weichen
gestellt.
Die Arbeit "vor Ort" - die fremdenverkehrsmäßige Aufarbeitung des
Gebietes und die landschaftsbezogene Werbung - war schon in den 30er Jahren auf
Gebietsausschüsse übertragen worden, zu denen von Anfang an auch die Fränkische
Schweiz gehörte. Zunächst war dieser Gebietsausschuss mit dem Fränkischen
Schweiz Verein identisch, löste sich aber 1962 unter dem Vorsitz des damaligen
Pegnitzer Landrats Dr. Dittrich aus dem Verein heraus und wurde selbständig.
1971 legte Dr. Dittrich aus Altersgründen den Vorsitz nieder. Dieser wurde
dann vom Landrat von Forchheim Otto Ammon übernommen, der auch die
wirtschaftliche Bedeutung des Fremdenverkehrs für die Fränkische Schweiz
erkannte und mit Überzeugung die Einrichtung einer zentralen
Fremdenverkehrsstelle für das "Land der Burgen, Höhlen und Mühlen.
So wurde also im April 1974 eine offizielle Fremdenverkehrseinrichtung für
das gesamte Gebiet der Fränkischen Schweiz geschaffen. Die beiden Landkreise
Forchheim und Bayreuth schlossen sich in einer Zweckvereinbarung zur Förderung
des Fremdenverkehrs - der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz - zusammen. Der
Rechtsträger ist der Gebietsausschuss Fränkische Schweiz im
Fremdenverkehrsverband Franken e.V. Im Jahr 1976 schloss sich der Landkreis
Bamberg und im Jahr 1986 auch der Landkreis Kulmbach an.
Diese Landkreise bieten auch heute noch ein Musterbeispiel dafür, wie
Landkreise über ihre politischen Grenzen hinweg für ein geschlossenes
Feriengebiet zusammenarbeiten können. Der Entschluss, eine von den Landkreisen
des Gebietes getragene Tourismuszentrale einzurichten, hat sich im nachhinein
als richtig erwiesen. Erst eine zentral organisierte Koordination in der Werbung
für das gesamte Gebiet konnte die Übernachtungen kontinuierlich steigern; so
von 537 000 im Jahre 1973 bis auf heute über 1 Million.
Selbst in den letzten Jahren, die bereits weltweit, aber auch in der
Bundesrepublik, von starken wirtschaftlichen Rezessionen bestimmt wurden, konnte
die Fränkische Schweiz die einmal erreichten Übernachtungszahlen halten. In
der Erkenntnis, daß Tourismus in dieser strukturschwachen Gegend einen hohen
wirtschaftlichen Stellenwert einnimmt - durch das gut ausgebaute Straßennetz
bis in kleine und kleinste Orte hinein -, wurde es mit Einrichtung der
Tourismuszentrale also möglich, den Urlaubs- und Naherholungsverkehr zu
intensivieren. Dabei bleibt es ein Grundsatz aller für den Fremdenverkehr
Verantwortlichen. daß kein Massentourismus aufgezogen werden dürfe, sondern daß
die Fränkische Schweiz ein Reiseland für Individualisten bleiben müsse, die
hier bodenständige Gastronomie und Gastfreundlichkeit vorfinden, jedoch mit
allem Komfort, den der Tourist heute verlangt. Die Devise muss lauten: Qualität
vor Quantität.
Die Tourismuszentrale Fränkische Schweiz hat sich im Verlauf ihrer Arbeit so
gut wie möglich den Erfordernissen des touristischen Marktes angepasst.
Zielgruppengerechte Werbung und Verkaufsförderung stehen gleichberechtigt neben
der Aufbereitung des Erscheinungsbildes. Dem allgemeinen Trend folgend werden
verstärkt Angebote für Aktiv- und Gesundheitsurlaub auf den Markt gebracht,
daneben stehen Familienferien mit Ferienwohnungen und "Urlaub auf dem
Bauernhof" in guter Qualität.
Die Aufgaben der Fremdenverkehrsstellen haben sich gewandelt. Lag vor Jahren
das Hauptaugenmerk noch auf der Produktion von schön bebilderten
Landschaftsprospekten, so muß dem potentiellen Urlauber heute auf Heller und
Pfennig gesagt werden, welche Leistungen zu welchem Preis und in welcher
Jahreszeit erhältlich sind. Verkaufsfähig ist ein Angebot nur dann, wenn es
konkret beschrieben und damit transparent gemacht worden ist. So gibt es heute
in der Fränkischen Schweiz eine ganze Reihe von Angeboten für den "Urlaub
ohne Langeweile" z. B.: Fliegen, Bauernmöbel- und Hinterglasmalerei, Höhlenabenteuer,
Zinngießen, Golfspielen, Schwimmen, Reiten, Tennis, Kanufahren, Angeln,
Radwandern und vieles andere mehr
Die organisierten Wanderangebote stehen im Vordergrund. So die Aktion
"Wandern ohne Gepäck" und die geführten Wanderungen des Fränkische
Schweiz - Vereins. Ergänzt wird die Angebots-Palette durch die Gästeprogramme
der Orte, die touristischen Attraktionen und historischen Sehenswürdigkeiten,
so z. B. die Balthasar Neumann Basilika in Gößweinstein, das Fränkische
Schweiz Museum in Tüchersfeld, die Schauhöhlen, Dampfeisenbahn, Wildgehege
Hundshaupten, Freizeitparks usw.
Informatives Werbematerial sowie gezielter und massiver Einsatz von Maßnahmen
der Werbung und der Verkaufsförderung z. B. auf Touristikmessen oder in der
Medienarbeit haben mit Erfolg den Bekanntheitsgrad der Fränkischen Schweiz
gesteigert. Innerhalb des Gebietes hat man längst erkannt, daß nur durch
Gemeinsamkeit auf die Dauer positive Ergebnisse erreicht werden können. Eine
konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Tourismuszentrale, den einzelnen
Gemeinden und Landkreisen, dem Fremdenverkehrsverband Franken, dem Fränkischen
Schweiz Verein, dem Hotel- und Gaststättenverband, dem Verein "Urlaub auf
dem Bauernhof" sowie weiteren verwandten und übergeordneten Organisationen
des Tourismus ist ständig gegeben.
Mit Sicherheit wird in Zukunft der Konkurrenzkampf im Angebot
"Inlandsurlaub gegen Auslandsurlaub" die Arbeit der Tourismuszentrale
in ihren Bemühungen um den Gast bestimmen. Qualitätsbewusstsein und Kostengünstigkeit
müssen verbunden mit der Übereinstimmung von Angebot und Leistung Devise
bleiben.
Bei allem Wirtschaftsdenken werden wir aber nicht vergessen, daß im Mittelpunkt
unserer Arbeit der Mensch steht, der Urlauber und Naherholungssuchende, der Gast
sein will und nicht nur Kunde. Familienfreundlichkeit und Gastlichkeit sollen
dem Reisenden genau die Atmosphäre übermitteln, in der er sich wohlfühlt und
ihn zu einer Wiederkehr in die Fränkische Schweiz veranlasst.
Aus: Der Landkreis Forchheim, Lebensraum und Zukunft, Eigenverlag 1989
PS: Christl Thömmes war von 1974 bis zu Ihrer Pensionierung im
Juli 1991 Leiterin der Tourismuszentrale. Seither hat der ehemalige Gößweinsteiner
Verkehrsamtsleiter und gelernte Bundesgrenzschützer Franz Xaver Bauer (aus Kleingesee) diesen Posten inne.
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